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Fliegerferien in Florida

Eine zweisitzige Pitts Special
Im Hinblick auf mein
Gyrocopter-Selbstbau-Projekt hatte ich mich relativ kurzfristig
entschlossen, meine Fähigkeiten als Pilot ein wenig aufzupolieren
respektive zu erweitern. Ich hatte noch einiges an Ferien vom letzten
Jahr zugut, und so bin ich dann ohne meine Frau Tina ins gelobte Land
(der Flieger) gefahren (resp. -flogen).
Nach rund drei Tagen Angewöhnungszeit an
das tropische heiss-feuchte Klima Floridas, bin ich nach Sanford (ca 50 km von
Orlando) gefahren. Dort habe ich erst mal eine Cessna gemietet und mir
diese grosse Sandbank (so muss man Florida wohl bezeichnen) von oben
betrachtet. Da die schweizerische Fluglizenz eine
Nachtflugberechtigung nicht einschliesst, habe ich mit einem
angehenden Flight Instructor und der Cessna, ca. drei Stunden am
nächtlichen Himmel über Sanford und Orlando Nachtflug geübt (inkl. 10
Starts und Landungen). Wenn man sich schon in der Nacht in einem Flugzeug in dieser Gegend herumtreibt, schaut man sich natürlich das
Feuerwerk von Disney World an. Also sind wir in ca. 500 Meter Höhe
über den Disney Parks gekurvt und haben zuerst das feurige Spektakel
von Disney World betrachtet und kurz danach, das vom Epcot Center
(dieses inklusive Laser-Show).
Wooooow, echt ein Erlebnis !!
Mit den Eindrücken von meinen diversen
Museumsbesuchen und dem Trip zur NASA in Cape Canaveral möcht ich Euch
nicht langweilen, vielleicht nur, dass ich den Start des Space Shuttle
in respektvollem Abstand aus der Luft, am Steuer der Cessna, erlebt
habe.
Schon mal einen "besoffenen Helikopter"
gesehen ???
Also, ich habe mir eine Stunde Helikopter
mit einem Instruktor geleistet. Zu fliegen sind die Dinger relativ
simpel, vergleichbar mit dem Steuern eines Flugzeuges. Aber Schweben
..........., das ist eine ganz andere Sache. Zuerst einmal üben, nur
mit dem Knüppel als Steuerung . Dann mit Knüppel und Seitensteuer, und
schlussendlich auch noch mit Pitch und dem Gas. Beim ersten Mal,
dauerte es ca 10 Sekunden, bis ich den Heli so aufgeschaukelt hatte,
dass der Instruktor die Steuer wieder übernehmen musste und uns so das
Leben rettete. Aber bereits nach 10 Minuten und ca 15 Versuchen mit
allen Steuern war ich in der Lage, über einem 10x10 Meter grossen Feld
zu schweben. Mein Instruktor, ein ehemaliger Kampfheli-Pilot in
Vietnam mit 6-tausend Stunden militärischer Erfahrung, hat grosse
Augen gemacht und gemeint, dass normalerweise ein Flugschüler etwa
drei Stunden braucht um mit einem Heli schweben zu können. Nach dieser
Flugstunde habe ich mich gefühlt wie nach zehn Stunden härtester
Arbeit. 250 Prozent Konzentration.
Kurz und gut, ich war reif für den Pool und der Tag war gelaufen.
Am nächsten Tag war Flug-Akrobatik angesagt. In
Sanford gibt es nämlich die seltene Möglichkeit eine doppelsitzige
Pitts Special (wettbewerbstauglicher Kunstflugdoppeldecker) zu
chartern. Diese kompromisslose Wettbewerbsmaschine ist am Boden und
bei Start und Landung ein einziger Alptraum. Keine, wirklich keine
Sicht nach vorne und durch den kurzen Rumpf muss man am Boden wirklich
extreme S rollen um überhaupt am Motor vorbeisehen zu können. Bei der
Landung stehen keine Landungsklappen zur Verfügung und so kommt man
mit einem "Affenzahn" leicht geslippt auf die Piste zu. Und wieder
steht der Motor der Sicht im Wege. ABER ..... ersteinmal in der
Luft .... da lässt sich die Pitts in mit einer atemberaubenden
Leichtigkeit um alle Achsen wirbeln. Ich weiss nicht wieviele Rollen
ich in dieser halben Stunde geflogen habe. Aber wann sitzt man schon
mal in einer Maschine, deren Rollrate 360 Grad pro Sekunde beträgt ?
Meine Akrovorstellung war sicher nicht wettbewerbsreif aber es hat
unheimlich Spass gemacht. Auf jeden Fall ging mir diese halbe Stunde
viel zu schnell vorbei, trotz Flugmanöver bis zum sechsfachen der
Erdbeschleunigung.
Bis jetzt liest sich dieser Bericht ja so,
als wär ich vergnügungssüchtig. Aber ich habe ja auch noch ein paar
Sachen gemacht, die mich in der Angelegenheit Gyrocopter weiterbringen
sollen. In den USA fliegen ca 10'000 dieser Dinger, während es in
Europa gesamthaft, erst ein paar wenige Dutzend sind. Zudem fliegen
Gyrocopter in Europa, bildlich gesprochen, im rechtlich luftleeren
Raum. Gyrocopter oder Tragschrauber sind in keinem der schlauen
Reglemente oder Gesetzesbücher erwähnt. Entsprechend sind sie im
besten Fall nur geduldet.
In den USA gibt es die PRA (Popular Rotor
Association), die die Gyropiloten vertritt und die mit den
Luftfahrtsbehörden eng zusammenarbeitet. Die PRA hat eine separate
Gyrocopter-Lizenz geschaffen, ein Gyrocopter-Ausbildungsprogramm
erstellt, Gyrocopter-Instruktoren ausgebildet und dies auch noch
rechtlich verankert.
Ich habe mich mit diversen massgebenden
Leuten der PRA getroffen und mich über deren Aktivitäten und
Vorgehensweisen informiert. Also habe ich ein volles
Gyrocopter-Training gemacht, so dass ich jetzt mit einem rechtlichen
Anspruch Gyros fliegen darf. Ich hatte einen wirklich phantastischen
Instruktor (ca 6000 Gyro-Flugstunden) bei dem das Lernen unheimlich
Spass gemacht hat. Was seine Unterschrift wert ist, habe ich bei
meinem ersten Flug nach dem Training beweisen können. Nach 36 Minuten
Flugzeit in 30 Meter Höhe hat der Motor ausgesetzt und ich habe eine
Notlandung wie im Bilderbuch hingelegt. Der Benzinfilter war verstopft.
Hört sich dramatischer an als es in Wirklichkeit war.
Nun bin ich einer der wenigen Piloten in
Europa, die ein Write-Off von einem lizenzierten Gyro-Instruktor haben
und der erste Gyropilot der Schweiz überhaupt.
Author: Kurt Zumbühl, August 1991
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