Fliegergeschichten


Erste Flüge auf einer Piper-Cub

Eine Piper J3C Cub

Ich habe ja das Fliegen mit einer Cessna mit Dreibein-Fahrwerk gelernt. Nachdem ich den Piloten-Schein und etwa 200 Flugstunden hatte, habe ich das Type-Rating für die Piper Cub (Heckrad-Fahrwerk) gemacht. Ich mag mich noch gut an die erste Stunde mit der Cub erinnern.

Es war auf dem Flugplatz Buttwil mit der HB-OXR. Die selbe Maschine habe ich Jahrzehnte vorher als kleiner Junge auf dem damals noch existierenden Flugplatz Spreitenbach im Limmattal häufig mit sehnsüchtigen Blicken belagert. Nun viele Jahre später ist sie mir wieder begegnet und ich MUSSTE einfach das Type-Rating haben.

Der Flugplatz Buttwil hat zwei nebeneinanderliegende Gras-Pisten; eine für die Motor- Flieger, und eine für die Segelflieger.

Nachdem mir der Instruktor die Maschine mit drei Platzrunden vorgeführt hatte und zurückgerollt war, durfte ich meine Künste beweisen.

Da man nicht über die zum Himmel gereckte Flugzeugnase sehen kann, muss man beim Rollen einen Zick-Zack-Kurs einschlagen, damit man auch sieht wohin die "Reise" geht.

Ich stelle die Maschine also in Startrichtung aus und gebe Vollgas. Der Instruktor verkrallt sich ins Cockpit und beginnt gleich loszubrüllen:

 "Rechter Fuss ...
... mehr-mehr-mehr-mehr...
... linker Fuss verdammtnochmal links-links-links ...
... rechter Fuss ...
... Leitwerk
hoch ...
... linker Fuss
"

etc. etc. etc . ad nauseam.

Eigentlich überflüssig zu sagen, dass ich die volle Breite beider Startbahnen gebraucht habe, um die Maschine in die Luft zu kriegen. Bei der ersten Landung genau das selbe Theater. Derweil haben sich die Leute im Garten vor der Kneipe, vor lachen auf die Schenkel geschlagen.

Es brauchte noch ein halbes Dutzend Starts bis ich mit einer Startbahn auskam, und ein weiteres halbes Dutzend bis ich die Sache einigermassen im Griff hatte.

Heute lande ich die Maschine auf einem Handtuch, wenn's sein muss.


Author: Kurt Zumbühl, März 1990